Ernährungslehre

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nur schwer

ernährungslehre

Aus falsch ernährten Kindern werden dicke Erwachsene. Kann die Volksschule helfen, das Schlimmste zu verhindern?

Als Kind schon für die Gesundheit von morgen essen – Wir fordern Ernährungslehre als fixes Fach ab der Volksschule

 Jedes fünfte Kind in Österreich ist übergewichtig. Adipositas bei Kindern und Jugendlichen nimmt dramatisch zu.  Wirklich überraschend ist diese Situation leider nicht, wenn man die Ernährungs- und Lebenssituation vieler Kinder und Jugendlichen betrachtet. Sie essen generell zu viel, zu süß und zu fett. Zudem locken überall kalorienreiche Snacks und Softdrinks für Zwischendurch. Gleichzeitig bewegen sie sich zu wenig, denn anstatt draußen zu spielen oder Sport zu betreiben, verbringen viele Kinder ihre Freizeit vor dem Fernseher oder Computer.

Die gesundheitlichen Folgen von Übergewicht bzw. Adipositas bei Kindern sind vor allem orthopädische Probleme (wie O- oder X-Beine bzw. Wirbelsäulendeformitäten), Diabetes Typ II, Bluthochdruck und - nicht zu vergessen - psychische Belastungen durch Stigmatisierung bzw. Ausgrenzung durch Altersgenossen in Kindergarten oder Schule.

Ernährung und Bewegung bilden die Grundlage zur Gesundheit des Menschen und für sein allgemeines Wohlbefinden. Gesunde Ernährung und Esskultur könnten schon im Volksschulalltag erlebbar gemacht werden.

Kinder werden durch Erziehung geprägt und lernen am Vorbild, auch wenn es um die Ernährung geht. Das Bewusstsein für Auswahl und Qualität der Nahrungsmittel und für die Esskultur werden zu Hause, aber auch häufig von der Schule mitbestimmt.

Es wäre also unbedingt erforderlich Ernährungslehre schon in der Volksschule als Unterrichtsfach anzubieten, um diese nachhaltig in den Lebensalltag der Schüler/innen einfließen zu lassen.

Dadurch kann im Bereich Ernährung eine neue Schulkultur durch die gemeinsamen Anstrengungen von Lehrer/innen, Schüler/innen und Eltern entstehen, die generell zum gesunden Ernährungsverhalten der Kinder führt. Die Schule leistet dadurch zur Gesundheitsvorsorge von Schüler/innen einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft.

Mit einer ausgewogenen Ernährung kann bereits im Kindesalter den Krankheiten vorgebeugt werden. Sollen Kinder in Österreich nun schon im Volksschulunterricht auch etwas über gesunde Fette, Eiweiß und Kohlenhydrate lernen? Sollen Lehrer ihnen die geliebten Schokosnacks abgewöhnen und schlechte Noten fürs Colatrinken vergeben?

England hat das Schulfach längst eingeführt. Großbritannien hat nämlich die Kosten kalkuliert und festgestellt: Aus dicken Kindern werden übergewichtige Erwachsene mit weit mehr Krankheiten und höheren Behandlungskosten als bei den Dünnen. Es muss also etwas passieren, um die drohende "Übergewichtsepidemie" zu verhindern.

Deshalb griff die Regierung auf die Erfahrungen ihres jungen Starkochs Jamie Oliver zurück: Für seinen Koch- und Ernährungsunterricht an Schulen bekam er von Schülern und Lehrern so gute Noten, dass gesundes Essen in England zum Pflichtfach wurde.

Wir sind überzeugt, dass Kinder gerne gesund essen, wenn man sie nur lässt. Natürlich darf neben der theoretischen Ernährungslehre besonders eines nicht fehlen: der Spaß. Das ist die beste Begründung für Ernährungsunterricht - weil die Kinder lernen, dass gesundes Essen nicht langweilig sein muss, sondern dass es schmeckt, dass richtige Ernährung mehr Beweglichkeit, mehr Fitness, mehr Zufriedenheit bedeutet, dass Kochen Spaß machen kann und dass man mit dem neuen Wissen auch ein kleines Vorbild in jungen Jahren sein kann.