Fahrtauglichkeitsprüfung 75

Wenn Wählerstimmen mehr zählen als Menschenleben 

Autofahrer 75

Es ist noch immer ein Tabuthema: verpflichtende Fahreignungsbestätigungen für Senioren. Selbst Experten und Politiker, die ansonsten gerne in Medien präsent sind, wollen nicht darüber reden: Schließlich will keiner seine Mitglieder oder Wähler verprellen.

Elegant wird mit vorhandenem Zahlenmaterial zu Unfallstatistiken so lange jongliert, bis man sich ein gutes Gewissen zurecht gelegt hat. Immer wieder beruft man sich auf den geringen Anteil von Pensionisten an der Gesamtzahl der Unfälle. So bedient man sich unverschämt dem Argument, dass der Anteil der Menschen über 65 Jahre an der Gesamtbevölkerung zwar rund 21 Prozent betrage - sie aber nur für 14 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden verantwortlich seien. 

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LAbg Gabmann fordert Überprüfung

LAbg Klubobmann Gabmann stellt Antrag um Sicherheit für Senioren zu gewährleisten

Der Hohe Landtag wolle beschließen:

„Die Landesregierung wird aufgefordert, an die Bundesregierung, ins besondere an den Herrn Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie, Jörg Leichtfried, heranzutreten und eine Novelle...

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Das ist jedoch eine unverschämt einseitige Auslegung der Zahlen. Fakt ist nämlich: Die Zahl der von älteren Autofahrern verursachten Unfälle steigt stetig -  ab dem Alter von 75 Jahren rasant. Anfang 80 ist das Risiko drei Mal so hoch wie beim Durchschnitt, mit 85 explodiert es auf das Elffache.

So auch am Abend des 15. November in der St. Pöltner City in der Nähe der Universitätsklinik: Ein Pensionist verwechselte beim Ausparken den Vorwärts- mit dem Rückwärtsgang und katapultierte sein Auto in die Auslage eines Geschäftes. Eigentlich wollte der 82-Jährige ja bloß auf die Kremser Landstraße vorwärts ausparken, als er Gas gab endete das Manöver allerdings anders als geplant. Denn: Der Pensionist legte versehentlich den Rückwärtsgang ein. Auf seiner Irrfahrt rammte er erst die Verkehrstafel, krachte dann quer über den Gehsteig und direkt in die Auslage.

Während Länder wie die Schweiz, Norwegen, die Niederlande, die Slowakei, Italien Luxemburg, Slowenien, die Tschechische Republik oder auch Ungarn verpflichtende Fahreignungsbestätigungen für Senioren eingeführt haben, traut sich in Österreich niemand Verantwortung zu übernehmen. 

Dabei sind viele Menschen in dieser Altersgruppe gesundheitlich eingeschränkt. Sie stehen unter Medikamenteneinfluss, sehen schlechter, reagieren langsamer. Derzeit dürfen Ärzte nicht mal die Führerscheinstelle alarmieren, wenn  bei einem Patienten Demenz festgestellt wird. 

Laut einer Untersuchung der Uni Wien überschätzen sich Senioren meist selbst. 83 Prozent behaupteten, noch nie auf Schwächen angesprochen worden zu sein. Dem widersprachen allerdings die Angehörigen, denn mehr als die Hälfte erklärte, ihre Väter/Mütter/Opas/Omas schon auf Fahrmängel aufmerksam gemacht zu haben – vergeblich.

Mit der Weigerung der Entscheidungsträger jegliche Verantwortung zu übernehmen, ist niemandem geholfen, auch nicht den älteren Menschen, die sich eigentlich nicht mehr hinter das Steuer setzten sollten. Schließlich geht es auch darum, sie zu schützen.